BIM im Europavergleich: Wer führt bei der Anwendung?

Ein Vergleich von 8 europäischen Ländern zeigt, dass Grossbritannien zurzeit bei der Implementierung von BIM (Building Information Modeling) führend ist.

BIM befindet sich auf dem Vormarsch. Der Begriff bezeichnet die Erstellung und Verwaltung digitaler Gebäudemodelle in allen Phasen seines Lebenszyklus – also von der Planung bis zum Abriss. Der Einsatz der Technologie erleichtert die Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse und bietet darüber hinaus eine genaue Informationsbasis für alle relevanten Personen vom Architekten bis zur Facility Managerin.

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf 8 verschiedene Länder in Europa und analysieren den aktuellen Stand zum Einsatz von Building Information Modelling. Zu diesen Ländern zählen: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Polen, Russland, Grossbritannien und Kroatien.

(Hinweis: Diese Studie erfolgte im Auftrag des PropTech-Unternehmens PlanRadar. Die unten beschriebenen Ergebnisse wurden in Ländern erhoben, in denen das Unternehmen zum Zeitpunkt der Durchführung eigene Standorte betrieb. Somit sind einige grosse europäische Länder wie Spanien und Italien sowie die in Bezug auf BIM führenden Länder Skandinaviens in dieser Studie nicht enthalten.)

Der aktuelle Stand bei der BIM-Einführung in 8 europäischen Ländern:

Deutschland – 2022 setzen rund 70 % der deutschen Bauunternehmen BIM in unterschiedlichen Reifegraden (BIM Level) ein. Zu den häufigsten Anwendern zählen Planer und Architekten, welche die Technologie vorwiegend in der Planungsphase einsetzen. Der Grund für die weite Verbreitung der Technologie in Deutschland: Bereits 2006 kam BIM bei ersten Projekten zum Einsatz. Seit 2017 ist BIM für Projekte im Wert von über 100 Millionen Euro verpflichtend. Und seit Beginn 2021 ist BIM für alle öffentlichen Aufträge im Zusammenhang mit dem Bau der Bundesinfrastruktur verpflichtend. Ebenso engagierten sich offizielle Stellen in den letzten Jahren stark für die Standardisierung der Technologie.

Österreich – Auf der einen Seite verfügt Österreich über im Europa-Vergleich sehr weit fortgeschrittene BIM-Standards, die in der ÖNORM A 6241-2 definiert sind. Dem gegenüber steht jedoch der Fakt, dass nur rund 20 Prozent der im Bausektor befindlichen Unternehmen die Technologie einsetzen. Seit 2018 ist BIM für die Budgetkontrolle beim Bau öffentlicher Gebäude verpflichtend. Seit 2020 ist BIM auch verpflichtend für die Ausschreibung von Bauaufträgen der öffentlichen Hand. Entsprechend kommt die Technologie vor allem in grossen Unternehmen zum Einsatz. Kleine und mittelständische Bauunternehmen schrecken jedoch die viele unterschiedlichen Softwarelösungen und Formate ab. Unterstützende Technologien wie mobile BIM-Viewer helfen jedoch, diese Herausforderungen zu überbrücken.

Schweiz – Wie beim östlichen Nachbarn, zählen auch in der Schweiz rund 20 Prozent der Bauunternehmen zu den regelmässigen Nutzern von BIM. Seit 2018 wurde die Nutzung von Building Information Modeling in der Schweiz offiziell geregelt. Massgeblich für die Standardisierung der Technologie verantwortlich zeichnen sich die Regelwerke SIA 2051, D 0270 und D 0271. Die Voraussetzungen für den flächendecken Einsatz von BIM sind somit gegeben. Dass die Adaption noch schleppend verläuft, liegt an den grossen kulturellen Unterschieden der verschiedenen Kantone.

Grossbritannien – Das Vereinigte Königreich gilt seit den 1980er Jahren als Vorreiter beim Building Information Modelling, wo die Technologie zum Beispiel bei Modernisierungsarbeiten am Londoner Flughafens Heathrow zum Einsatz kam. 2022 zählt das Land weiterhin zu den führenden Anwendern. Seit 2016 müssen alle Projekte der öffentlichen Hand BIM einsetzen. Bei privaten Projekten wird die Verwendung von BIM empfohlen, ist aber nicht obligatorisch. Trotzdem können sich die Nutzerzahlen sehen lassen. So verwenden mehr als 80 Prozent aller grossen Bauunternehmen im Vereinigten Königreich die Technologie. Dem gegenüber stehen rund zwei Drittel Anwender bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Frankreich – Einen interessanten Fall stellt Frankreich bei der Nutzung on BIM dar. Denn obwohl das Land über noch keinen gesetzlich verankerten BIM-Standard verfügt, kommt die Technologie bereits seit 2010 häufig zum Einsatz. So verwendet etwa ein Drittel aller französischen Bauträger Building Information Modelling für seine Projekte und landesweit wurde über eine halbe Million an Wohnhäusern mit Hilfe von BIM errichtet. Auch bei den grossen Bauunternehmen ist die Technologie inzwischen weit verbreitet – mehr als die Hälfte nutzen BIM bei Bauprojekten. Obwohl das Land bei der Regulierung noch etwas hinterherhinkt, wurden die Vorteile der Technologie auch auf übergeordneter Ebene erkannt. Bereits 2018 wurde in Frankreich der BIM-Plan 2022 eingeführt, um Bau- und Immobilienunternehmen zu ermutigen, die Technologie ihre Arbeitsabläufe zu integrieren.

Russland – Mit einer Nutzungsrate von rund 10 Prozent ist BIM in Russland noch nicht weit verbreitet. Während die Technologie bei kleinen und mittleren Unternehmen nur vereinzelt zum Einsatz kommt, setzen jedoch so gut wie alle grossen Unternehmen im Bau- und Immobiliensektor auf Building Information Modelling. Bei der Gesetzgebung und Standardisierung von BIM ist Russland jedoch führend. 15 nationale Standards und acht Regelwerke regeln die Informationsmodellierung ausführlich. Was die Adoption weiter fördern wird: Seit 2022 müssen alle Regierungsprojekte die BIM-Technologie verwenden.

Polen – Polen zählt zu den dynamischsten Märkten im Bausektor. Darum verwundert es auch wenig, dass inzwischen rund die Hälfte alle polnischen Projektentwickler Building Information Modelling bei Ihren Prozessen einsetzen. Ein Problem dabei sind jedoch die nicht vereinheitlichten Standards. Der Grund dafür: Geplante polnische Gesetze zur Informationsmodellierung verzögerten sich. Trotzdem wird ein Grossteil der staatlichen Bauprojekte bereits mit BIM durchgeführt.

Kroatien – Im südosteuropäische Land ist die Adoption von BIM noch wenig weit fortgeschritten. So setzen nur rund 10 Prozent alle kroatischen Bauunternehmen die Technologie für ihre Vorhaben ein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen scheinen viele Anwender den vollen Nutzen von BIM nicht zu kennen. Das hat auch damit zu tun, dass die Nutzung von staatlicher Seiter her weder gefördert noch geregelt wird. BIM ist derzeit nicht im kroatischen Baurecht enthalten und es gibt vorerst auch keinen offiziellen Fahrplan, der eine umfassendere Anwendung der Technologie im Land vorantreiben soll.

Eine detaillierte Aufarbeitung der Untersuchungsergebnisse zur BIM-Adoption in Europa finden Sie hier.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass die Nutzung von BIM in den grossen Ländern am weitesten fortgeschritten ist. Vielerorts bilden eine umfassende staatliche Förderung und Regulierung der Technologie eine wichtige Grundlage für die Adoption durch Unternehmen. Auffallend ist, dass in allen Ländern die grossen Bauunternehmen BIM am meisten nutzen. Das lässt darauf schließen, dass zu einer weiteren Verbreitung der Technologie bestehende Hürden weiter abgebaut werden müssen.

Zu diesen Hürden fehlen:

  • – Mangelnde Kenntnisse und Vorurteile über die Technologie
  • – Mangelnde Standards und Regelung, die einen vereinheitlichten Einsatz von BIM fördern
  • – Mangelndes Bewusstsein dafür, dass Building Information Modelling über den ganzen Gebäudezyklus hinweg (Planung-Bau-Betrieb-Modernisierung-Abriss) den Anwendern Vorteile bringt.

Autor: Patrick Semler – Team Lead DACH Sales bei PlanRadar

Vielen Dank an Planradar für diesen Informativen Gastbeitrag.

Weitere Gastbeiträge und Interviews findet Ihr hier.

Liebe Grüsse

Eure bigi’s

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