Ein Interview – von Studenten für Studenten

Wir haben 2 Architekturstudenten der ETH Zürich interviewt.

MHMathias Häcki, Jahrgang 1995, Masterstudium

SFSilvie Frei – Jahrgang 1998, Bachelorstudim

Wieso Architektur? – Was hat Euch dazu gebracht Architektur zu studieren?

Wieso an der ETH Zürich?

MH: Schon als Kind habe ich immer gerne Dinge mit meinen Händen gemacht, gebastelt oder gebaut. Dieses Interesse hat sich später mit einem Flair für Konstruktion und Gestaltung verbunden und so lag das Architekturstudium nahe.

SF: Tatsächlich habe ich lange nicht gewusst, für welchen Studiengang ich mich entscheiden werde. Klar war, dass ich ein Studium absolvieren wollte, dass nicht nur auf Theorie, sondern auch auf den Bezug zur Praxis basierte. Da mir das Architekturstudium als kreatives, vielfältiges und praxisorientiertes Studium beschrieben wurde, hatte ich mich schlussendlich für den Studiengang Architektur entschieden.
Bei einer Studienberatung wurde mir erklärt, dass an der ETH der künstlerische und philosophische Aspekt im Fokus steht. Genau dies hatte ich mir erhofft.

 

Erwartungen ans Studium

Was waren Eure Erwartungen an das Studium?
MH: Ganz ehrlich, ich hatte keine konkreten Erwartungen. Ich wusste, was mein Ziel ist; Der Weg dahin war für mich mehr Überraschung als Plan.

SF: Von einigen Kontakten wurde mir vor Beginn des Studiums vermittelt, dass wenig Schlaf, wenig Freizeit und viel Chaos Synonyme des Studiums sind. Mir wurde aber auch ein lehrreiches, vielfältiges Studium versprochen, dass viel Spaß machen wird, wenn man dafür brennt.

Wurden diese Erwartungen erfüllt, übertroffen oder unterschritten?

MH: Auf jeden Fall übertroffen, ich empfinde die Ausbildung an der ETH mit ihrer Breite und Tiefe als enorm bereichernd; Die verschiedenen Themenbereiche des Studiums geben die Möglichkeit auch neue Interessen zu entdecken und zu fördern.

SF: Meine Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass das Studium solch einen zeitlichen Aufwand  voraussetzen wird. Anfänglich wusste ich tatsächlich nicht, ob ich für das Studium geeignet war und wie ich mich organisieren sollte, um alle Abgaben fristgerecht einhalten zu können. Früher oder später wirst du aber lernen mit dem Stress umzugehen und dass du einfach das Beste aus der Situation machen musst, wenn du auch die positiven Aspekte des Studiums geniessen möchtest.

Erfahrungen und Erlebnisse im Studium – Was war bisher das positivste Erlebnis im Studium und was empfiehlst Du anderen StudentInnen um ähnliche positive Erfahrungen zu machen?

MH: Ein einzelnes herausstechendes Erlebnis habe ich nicht. Gute Kritiken und Feedbacks an den Präsentationen als Lohn für die ganze Arbeit sind sicher etwas Schönes. Wichtig dafür finde ich, dass von Anfang an begründet wird, wieso man macht was man macht oder mit anderen Worten: Alles soll überlegt sein oder zumindest so wirken. 😉

SF: Ein großes Highlight waren die beiden Reisen, auf welchen ich dabei sein durfte. Zum einen war da die Reise nach Pula in Kroatien mit dem gesamten Studiengang im dritten Semester. Zum anderen war es eine Seminarreise nach Frankreich, für welche ich mich im vierten Semester beworben hatte. Diese Reisen werden immer von Professoren der ETH begleitet, so dass man die Möglichkeit hat, ganz tolle Architektur-Erfahrungen und neue Inspirationen zu sammeln. Dazu kommt, dass du während diesen Reisen neue Freundschaften knüpfst und meist mal etwas zurücklehnen und aus dem Alltag entfliehen kannst. Seminarwochen werden zweimal jährlich durchgeführt, jeweils Mitte Semester. Natürlich müsst ihr das Budget dafür haben, aber die Seminarreisen werden immer so organisiert, dass unter kostspieligeren Reisen auch preiswerte Erlebnisse dabei sind.

Was war bisher das negativste Erlebnis im Studium und was empfiehlst Du anderen StudentInnen wie sie mit ähnlichen Erfahrungen umgehen sollten?

MH: Auch hier würde ich eher gewisse Situationen als ein bestimmtes Ereignis erwähnen; Ich denke der konstante Druck und damit zusammenhängende Stress ist sicherlich eine «negative» Seite an dem Studium. Wichtig ist dabei meiner Meinung nach stets fokussiert zu bleiben und zu lernen, den eigenen Perfektionismus auch mal hinten anzustellen.

SF: Man kann nur gute Architektur schaffen, wenn man sich Kritik einholt.  Dieser Tatsache war ich mir anfänglich nicht bewusst. Die vielen Präsentationen und Kritiken, die wir hatten, sah ich als große Hürde an. Sie bereiteten mir Schwierigkeiten, da ich zu Beginn nicht hundertprozentig hinter meinem Entwurf stehen konnte. Nach dem ersten Studienjahr habe ich aber gelernt, dass Kritik annehmen zu können Teil des Lernprozesses ist. Es gehört zum Studium dazu, das Projekt fortlaufend zu überarbeiten, dann erst wirst du zu einem bündigen Ergebnis kommen. Du musst die Kritik nicht als negatives Feedback, sondern als hilfreichen Input ansehen.

Inspiration – Woher nimmst du deine kreative Inspiration für die unterschiedlichen Entwurfsaufgaben?

MH: Bücher!  Ich finde ein Besuch in den verschiedenen Bibliotheken, das hineinwerfen in das Meer aus Bildern und Texten, nach wie vor die größte Inspiration; Viel mehr als im Netz vor dem immer gleichen Bildschirm am immer gleichen Ort nach Referenzen zu suchen.

SF: Ich vertreibe meine Zeit gerne auf Pinterest. Da kann man sich einen Überblick verschaffen und Inspiration zu unterschiedlichen Themen holen. Hin und wieder kaufe ich mir auch ganz einfach eine Architekturzeitschrift und überlege mir dann beim Durchblättern was und warum mir etwas gefällt.

Tipps für andere ArchitekturstudentInnen

SF: Ich selbst hatte nach Abschluss der Kantonsschule (Gymnasium) keine Zwischenjahrs-Pause eingelegt. Rückblickend sehe ich ein Zwischenjahr dann als sinnvoll, wenn man diese Zeit nutzt, um möglichst viele positive Energie und bereits erste berufliche Erfahrung für das Studium zu sammeln. Vermutlich würde der Studiumstart so etwas leichter fallen. Falls ihr nach der Kantonsschule gleich mit dem Studium fortfahren möchtet, dann kann ich euch raten so wie ich nach dem vierten Semester eine einjährige Praktikumspause einzulegen. Dies hat mir die Zeit gegeben, das Gelernte anwenden zu können, großartige Leute kennenzulernen und vor allem neue Motivation für die weiteren Semester sammeln zu können.

Was ist der wichtigste Tipp den Du Erstsemestrigen auf den Weg geben willst?

MH: Nimm dir Zeit für das Studium, aber vergiss nicht, auch anderen Aktivitäten nach zu gehen. Ich bin überzeugt, dass 2h Ausgleich (Musik, Sport, etc.) und danach wieder frisch an die Arbeit gehen genau gleich viel bringt, wie durch zu arbeiten.

(Wir bigi’s empfehlen zusätzlich Yoga und Meditation)

SF: Hakuna Matata ist mein Motto – mach dir nicht so viele Sorgen. Wenn du kreativ, neugierig und motiviert bist, dann wird alles gut kommen; dann werden sich die potenziellen Nachtschichten in Schach halten und dann werden die positiven Aspekte am Studium überwiegen.


Zukunft. – Welche Erwartungen hast du an deinen Berufsalltag nach dem Studium?

MH: Da bin ich sehr offen, auch die Richtungen, welche ich mir vorstellen könnte einzuschlagen sind zahlreich. auf Jeden Fall freue ich mich aber darauf, viel theoretische Erfahrung anzuwenden und zu verbessern sowie neue Dinge zu lernen. Ich erwarte, dass mich die Berufswelt und ihre Protagonisten ernst nehmen, so wie ich sie ernst nehme und mir der nötige Respekt für eine gute Zusammenarbeit entgegengebracht wird. Natürlich muss jeder direkt nach dem Studium im Berufsleben weiterhin Erfahrung sammeln, lernen und sich verbessern. Mit dem nötigen Verständnis und der Zeit dafür ist unsere theoretische Ausbildung auf jeden Fall top.

SF: Ich erhoffe mir einen etwas strukturierteren Alltagsablauf im Berufsalltag. Ein typischer Studiumalltag verläuft meist etwas chaotisch und unvorhersehbar. Das mag aber auch daran liegen, dass ich an meinen organisatorischen Fähigkeiten noch arbeiten kann.

Ein guter Architekt – Was macht einen guten Architekten, eine gute Architektin im Berufsalltag aus?

MH: Auf jeden Fall braucht ein Architekt Geschick im Umgang mit jeglichen Typen von Menschen und «diplomatisches» Feingefühl. Die Balance zwischen Kompromissbereitschaft und eigener Wille sollte fein eingestellt sein und natürlich sollte ein Architekt als «Universalamateur des Bauwesens» stets das Interesse an allen Richtungen der Architektur, seien sie konkret oder theoretisch wahren und den Willen stets weiter zu lernen beibehalten.

SF: Gute Architektur ist für mich, wenn mit dem Entwurf eine optimale Balance zwischen dem Aspekt der Nachhaltigkeit, dem Kontext und Bezug zur Umgebung, zwischen Funktionalität, den eigenen Präferenzen und dem künstlerischen Ausdruck erzielt werden kann.

Wir bedanken uns herzlichst bei Silvie und Mathias für das Interview!
Wir wünschen euch und allen ArchitekturstundentInnen viel Erfolg und Spass am Studium
und später im Berufseinstieg!

 



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