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Wie gehe ich am besten mit Kritik um?

Woher kommt die Angst vor der Kritik? Wieso braucht es eine Schlusskritik? Es ist eher ein Schlussdiskurs. Es braucht Dankbarkeit und Verständnis für die Kritik. Die Vorbereitung und der Rückblick sind genau so wichtig wie die Kritik selbst. No pressure, no diamonds.

Studentenfragen vom 1. Semester der ETH Zürich:

  • Wie gehe ich am besten mit Kritik um?
  • Wie soll ich auf harte Kritik reagieren?
  • Soll ich überhaupt reagieren oder alles akzeptieren und einstecken?
  • Falle ich durch, wenn die Kritik schlecht ist?

Diese Fragen beantworten wir in drei Teile:

  • Woher kommt die Angst vor Kritik?
  • Wieso eine Schlusskritik?
  • Vorbereitung – Durchführung – Rückblick

Let’s go!

Woher kommt die Angst vor Kritik?

Damals hatten wir bigi’s auch Angst oder zumindest ein mulmiges Gefühl vor der Kritik. Wieso? Weil wir die Kritik mit negativen Gedanken assoziierten und daher mit einer negativen und ängstlichen Einstellung zur Kritik hingingen.

Wenn wir ‘Kritik’ hören, denken wir meistens an Vorwürfen, Fehleraufzählung, Verurteilung.

Aber das ist die Kritik nicht. Sie ist eher ein Diskurs, ein Gespräch mit Experten, die Euch helfen wollen. Dieses Gespräch hilft dabei, Euer Tun zu analysieren und Strategien zu definieren, um Euch weiterzuentwickeln.

Eigentlich sollte es nicht Schlusskritik heissen sondern Schlussdiskurs.

Was im Studium eine Schlusskritik ist, ist später Euer Berufsalltag in Form von Gesprächen mit Mitarbeitern, Bauherren, Unternehmer, Bauamt. Architektur entsteht im Diskurs und im Austausch von Meinungen und Interessen.

Wieso eine Schlusskritik?

Wieso braucht Ihr überhaupt eine Kritik? Wäre es nicht schöner das Projekt einfach abzugeben und direkt in die Ferien gehen zu können?

Nein

Wir sind nicht allwissend. Darum studieren wir, um zu lernen. Ihr lernt durch die Bearbeitung von Projekten, Auseinandersetzung durch Kritik und Selbstreflexion.

Erst am Tag der Schlusskritik wenn eure Pläne hängen und die Modelle stehen realisiert Ihr, was Ihr und Eure Mitstudenten tolles geleistet habt. Das alleine soll Euch schon positive Gefühle der Erfüllung geben.

An der Schlusskritik zeigt ihr nicht schöne Pläne, Renderings und Modelle um Komplimente zu sammeln. Und für die Kritiker ist es irrelevant wie viele Nächte und Wochenenden Ihr durchgearbeitet habt. Ihr präsentiert Entwurfsprozesse, Methoden, Herangehensweisen, Kompetenzen. Das Resultat der Semesterarbeit soll die Verarbeitung der Zwischenkritiken widerspiegeln, daher ist die Bewertung der Prozesse wichtiger als das Endresultat. Die Schlusskritiken sind die beste Möglichkeit, um diese Kompetenzen zusammenfassend zu analysieren und etappenweise weiterzuentwickeln.

Jede Kritik bietet Euch Ideen, um Euch zu verbessern und wichtige gibt wichtige Tipps für nächste Projekte. Ohne Kritik lehnt Ihr Euch zurück und glaubt alles richtig gemacht zu haben. Spätestens im darauffolgenden Projekt wird euch etwas fehlen. Ihr braucht Kritik und könnt auch darum bitten, wenn keine kommt.

Dankbarkeit

Seit dankbar für jede Kritik und jeden Verbesserungsvorschlag, es bedeutet, dass eure Idee anerkannt wird und sich Experten gedanklich damit auseinandersetzen wollen.

Verständnis

Habt Verständnis für die Kritiker. Für die Professur ist es nicht einfach, die Schlusskritik zu organisieren, durchzuführen und den ganzen Tag den Präsentationen aller Studenten beizusitzen, Gespräche zu moderieren und den Zeitplan einzuhalten.

Gastkritiker nehmen sich einen oder zwei Tag frei, um Euch zuzuhören und wertvolle Tipps für Eure Karriere zu geben.

Ist ein Kritiker besonders streng, negativ und gereizt, nehmt es nicht persönlich. Dieser könnte schlicht einen miserablen Tag, Probleme im Beruf oder in der Familie, schlecht geschlafen oder gegessen haben.

Niemand kommt als Kritiker auf die Welt. So wie Ihr zu entwerfen lernt und Fehler begeht, lernen sie zu kritisieren und können Konzepte falsch interpretieren und beurteilen.

Kritiker sind Menschen wie Ihr, nur mit mehr Erfahrung. Sie haben auch Vorlieben und persönliche Meinungen. Ihr sollt zuhören und die Kritik akzeptieren. Diese könnt Ihr aber auch hinterfragen und begründen, wieso Ihr es anders sieht.

Habt Ihr schon präsentiert? Bietet Eure Hilfe an. Organisiert etwas zu essen und Getränke für die Kritiker und Mitstudenten und schaut nach Ordnung und Ruhe in der Koje.

Vorbereitung – Durchführung – Rückblick

Vorbereitung

Plant genug Zeit für die Vorbereitung Eurer Präsentation ein. Präsentiert Eure Konzepte vor den Mitstudenten, kritisiert Euch gegenseitig. Präsentiert vor allem vor Laien, um zu üben Eure Projekte auf einfache Weise zusammenzufassen und zu erläutern. In dieser Situation kommt der Spruch zu nutzen: “Less is More”. Ein überzeugendes Projekt soll in wenige Worte zusammengefasste werden können.

Notiert Euch genau was Euch an Euren Projekt gefällt und Ihr gemeistert habt, und auch was Euch weniger gelungen ist.

Manchmal sind die banalsten Gedankenprozesse die schwierigsten zum nachvollziehen, daher überlegt genau wie ihr zu eurem Entwurf gekommen seid.

Durchführung

Es ist Euer Projekt. Ihr könnt die Kritik steuern und moderieren. Fängt mit einer Begrüssung und einem Dankeschön für die Präsenz an. Nennt kurz die Themen, die Ihr angehen wollt.

Erzählt, wie Ihr Schritt für Schritt von der Aufgabe zum Resultat gekommen seid. Stellt direkt danach fragen an Kritiker über Punkte in Eurem Projekt, die noch ungelöst sind, oder die Ihr weiterentwickeln würdet. Wenn Ihr diese Punkte, nach Prioritäten und methodisch, direkt selbst anspricht und die Kritiker um Stellungnahme bittet, könnt Ihr den Diskurs kontrollieren und führen.

Denkt nicht nur an Euer Projekt, unterstützt die Mitstudenten während ihrer Kritik. Nehmt an Ihren Kritiken aktiv teil und versucht sie aufbauend und unterstützend zu kritisieren.

Rückblick

Lässt Eure Präsentationen auf Video aufnehmen. Der grösste Vorteil dabei ist, dass Ihr Euch keine Notizen machen müsst, und ohne Ablenkung zuhören könnt. Trefft Euch in den Tagen nach der Kritik mit Euren Mitstudenten und schaut die Videos an. Besprecht Eure Präsentationen. Notiert Euch, was Ihr auf nächstes mal verbessern oder üben wollt.

impulse.de

Wir empfehlen Euch das Interview von Anja Gerber-Oehlmann auf impulse.de zu lesen: So reagieren Sie souverän auf Kritik

Dort erklärt sie bestens, wieso wir negativ auf Kritik reagieren und wie wir davon profitieren und davon lernen.

Diamanten

Ihr seid wie ein Stück Kohle. In den Semestern werdet Ihr verarbeitet und an den Kritiken geschliffen. So verwandelt Ihr Euch in Diamanten.

Habt Ihr weitere oder konkretere Fragen?

Zögert nicht und schreibt uns hier oder kontaktiert uns per Mail:

askbigiblog@gmail.com

Liebe Grüsse

Eure bigi’s

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