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Wie entwickle ich meinen eigenen Style?

Wie entwickle ich meinen eigenen Style in der Architektur? Im Architekturstudium parallel ein Skizzenbuch und den Portfolio entwickeln. Kritische Analyse entwickeln. Die Suche nach dem Style hinterfragen.

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Frage einer Architekturstudentin aus der ETH Zürich:

Wie entwickle ich meinen eigenen Style?

Antwort, Raffaele Giovane, the gi of bigi:

„Diese Frage bietet genug Stoff für eine ausführliche Antwort.“

Ich versuche in zwei Teilen zu antworten:

  1. Tips
  2. Gedanken zur Frage

let‘s go!

1. Tips

Skizzenbuch

Am besten Ihr fangt früh an, ein Skizzenbuch , als eine Art Entwurfstagebuch, und ein Portfolio zu führen. Darin sollen nicht nur fertige Projekte aus dem Entwurfssemester und den Praktikas vorkommen, sondern vor allem Entwurfsprozesse, Referenzen und Gedankengänge.

Im Skizzenbuch sollen vor allem Entwurfsprozesse, Gedankengänge, Referenzen vorkommen. Es soll regelmässig darin gearbeitet und der Inhalt hinterfragt und weiterentwickelt werden; ein ständiges work in progress und learning by doing.

Portfolio

Das Portfolio dient als Präsentationsmedium für abgeschlossene Projekte und Konzepte, die man für ein Vorstellungsgespräch oder eine Präqualifikation nützen kann. Hier bietet sich die Gelegenheit, verschiedene Darstellungsmethoden und Medien auszuprobieren, um auch hier den eigenen Style zu finden, und dazu zu lernen. Das Portfolio kann in Form eines Heftes, wie auch digital (PDF, Video, Animation) oder als Webseite erstellt werden. Dasselbe gilt für das Skizzenbuch. Wobei ich hier die Papierform empfehle, um sich von den digitalen Ablenkungen zu distanzieren und sich konzentriert Gedanken machen zu können.

Kritische Analyse

Nehmt Euch regelmässig Zeit für die kritische Analyse eurer eigenen Projekte und Zwischenstände, und Projekte anderer Architekten. Vor allem ausserhalb der Schulzeit und nach jeder Abgabe, wo ihr fit seid und kein Abgabedruck verspürt. Versammelt euch in Gruppen von Mitstudenten in einer ruhigen Gesprächsrunde in den Semesterferien. Notiert die Gespräche im Skizzenbuch.

Referenzen sammeln

Wählt jeweils ein genaues Thema oder ein Style eines Architekten aus, das euch interessiert. Recherchiert gezielt nach Material (Bilder, Pläne) zu diesem Thema. Sammelt das Material in euer Skizzenbuch oder erstellt ein eigenes ‘Referenzbuch’. Schreibt daneben eure Gedanken auf, skizziert eigene Variante ausgehend von der gefundenen Referenz.

Überlegt euch dazu genau, was euch an einer Referenz gefällt, was nicht und was Ihr anders machen würdet.

Ausserhalb der Architektur

Distanziert Euch ab und zu von der Architektur. Seit offen für Inspirationen aus anderen Kunstrichtungen; Malerei, Musik, Film, Fotogafie, Literatur, Tanz… Die Architektur ist nicht alleine auf dieser Welt. Jede Kunstrichtung kann vom Austausch mit anderen profitieren, sich neu erfinden und weiterentwickeln.

2. Gedanken zur Frage

Mein ersten Gedanken bestehen aus Gegenfragen, die sich jeder selbst stellen kann: Wieso brauche ich einen eigenen Style? Habe ich ein Bedürfnis nach Anerkennung und Aufmerksamkeit? Will ich ein Stararchitekt mit dem Style xy sein? Habe ich Angst ohne einen eigenen Style nicht zu wissen, wie ich eine Entwurfsaufgabe angehen soll?

Ich analysiere nun die Frage und nehme sie in einzelne Wörter auseinander:

“wie”

Das wie habe ich bei den Tips besprochen. Diese sind Anhaltspunkte und denkanstösse. Wir bigi’s sind jedoch nicht allwissend. Ein weitere Vorschlag ist daher, bei Architekten, die Euch inspirieren direkt nachzufragen, wie sie Ihr Style entwickelt haben oder zumindest dieses Thema angehen. Sprecht Eure Professoren und Assistenten direkt an. Lest oder schaut euch Biographien von Architekten und Künstler an und notiert Euch, wie diese zu Ihrem Style gefunden haben und was die genaue Ursache war. Notiert Eure Erkenntnisse ins Skizzenbuch.

“entwickle”

Eine Entwicklung braucht Zeit und Geduld. Einerseits ist es wichtig sich Zeit für dieses Thema zu nehmen. Andererseits wird es Zeit brauchen bis man den eigenen Style gefunden hat. Diese Zeit geht weit über die Studienzeit. Generell hören wir nie auf zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Sobald man glaubt den eigenen Style gefunden zu haben, werden neue Materialien, Techniken, Methoden entwickelt oder es entstehen Kulturelle Bewegungen, die ein generelles Umdenken anstossen.

“ich”

Frühestens nach dem Studium sind wir nicht mehr alleine und auf uns selbst gestellt. Daher können wir uns die Mühe teilen und vor allem von Feedback von Aussenstehenden profitieren, seien es Mitarbeiter, Planer aus anderen Berufsgattungen oder Bauherren.

“meinen eigenen”

Solange wir nicht für uns selbst planen und bauen, stellt sich die Frage, ob wir überhaupt einen vollkommen eigenen Stil brauchen und diesen. Denn in den meisten Fällen planen wir nicht für uns selbst, sondern für eine Bauherrschaft und die Benutzer des Gebäudes. Wir selbst benutzen die Gebäude nicht. Der Style des Gebäudes entsteht durch die ästhetischen und funktionalen Bedürfnisse der Bauherrschaft und der Nutzer. Dieser entwickelte sich dann innerhalb von Rahmenbedingungen weiter, die durch den Kontext und die finanziellen und zeitlichen Ressourcen gegeben sind. Hier stellt sich die frage. Wieso soll ich jemandem mein Style aufzwingen, wenn ich selbst das Gebäude nicht benutzen werde?

“Style”

Wichtiger als der eigene Style ist für mich die eigene Haltung gegenüber unserem Beruf, der Bauherrschaft, dem Nutzer, dem Kontext.

Was ist unsere Haltung gegenüber der gebauten Umwelt?

Was für eine gebaute Umwelt überlassen wir den folgenden Generationen?

Welche Haltung haben wir gegenüber der Nachhaltigkeit?

Welche Haltung haben wir gegenüber der Digitalisierung durch BIM in unserem Berufsalltag?

Welche Haltung haben wir gegenüber Veränderungen in unserem Berufsleben? In den 90er Jahren gab es den Wechsel von der Handzeichnung zum CAD. Heute bewegen sich die Bauwelt in Richtung BIM. Welche Veränderungen werden sich in den nächsten 10-20 Jahren vollziehen?

Was ist unsere Haltung gegenüber den Mitmenschen in unserem Berufsalltag? Denn wir verbringen mindestens gleich viel Zeit mit den Menschen auf der Arbeit als mit Familie und Freunden.

Ich hoffe, Euch damit aufschlussreiche Inputs zu geben.

Für weiter Fragen über die Tätigkeit und das Alltagsleben eines schaffenden Architekten könnt Ihr in diesem Beitrag unten kommentieren oder uns ein e-mail schreiben askbigiblog@gmail.com

Eure Fragen werden als Blog-Beiträge oder in den kommenden Architekten Interviews beantwortet.

Bis bald!

Eure bigi’s

 

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